Vom Kollegen zur Führungskraft – warum Führung lernen Zeit braucht

Montagmorgen, 8:07 Uhr.
Du sitzt im ersten Meeting als „offiziell neue Führungskraft“. Gestern noch Kollegen, heute bist du Führungskraft. Dein Kalender sieht aus wie ein schlecht sortierter Kleiderschrank. Drei Mails mit „Dringend!!!“, ein Teammitglied, das dich prüfend anschaut – und irgendwo zwischen Kaffee und KPI denkst du: „Warum fühlt sich das nicht souverän an?“

Willkommen im Führungs-Alltag.

Und hier kommt die unbequeme Wahrheit:
Du kannst deinen Wechsel von der Fach- zur Führungskraft nicht in zwei Monaten lernen. Sorry. Geht nicht.

Jede Bäckereifachverkäuferin hat eine dreijährige Ausbildung. Jeder Maschinenbauer und jede Lehrerin studieren jahrelang. Aber Führung? Die sollst du bitte nebenbei lernen. Zwischen Jour fixe und Jahreszielgespräch.

Das ist ungefähr so, als würdest du mit deinem Seepferdchen-Abzeichen stolz beim DLRG auftauchen und sagen: „Ich rette dann mal Menschenleben.“

Vom Kollegen zur Führungskraft – warum Führung lernen Zeit braucht

Der Wechsel vom Kollegen zur Führungskraft ist kein Titel-Update. Es ist ein Identitätswechsel.

Gestern warst du Teil des Problems. Heute sollst du Teil der Lösung sein.
Gestern hast du operativ geliefert. Heute sollst du strategisch denken.
Gestern hast du dich über Entscheidungen beschwert. Heute triffst du sie.

Kein Wunder, dass sich das wackelig anfühlt.

Psychologisch betrachtet passiert hier etwas Entscheidendes: Dein Gehirn liebt Sicherheit. Es liebt Routinen. Und plötzlich bist du im Nebel. Führung ist wie Autofahren im Nebel – du siehst nie weiter als 20 Meter, aber du fährst trotzdem.

Wenn du also denkst: „Ich bin noch nicht gut genug“, dann übersetze das bitte in:
„Ich lerne gerade.“

Führung lernen ist ein Prozess – kein Wochenendseminar

Viele junge Führungskräfte suchen nach der schnellen Lösung. Das eine Buch. Das eine Tool. Den einen Satz, der jedes Konfliktgespräch rettet.

Schlechte Nachricht: Den gibt es nicht.
Gute Nachricht: Du brauchst ihn auch nicht.

Führung lernen ist wie Muskelaufbau. Du gehst nicht zweimal ins Fitnessstudio und beschwerst dich, dass du noch keinen Sixpack hast. Du trainierst. Regelmäßig. Mit Muskelkater. Mit Frust. Mit kleinen Fortschritten.

Und genau hier kommt der Kern jeder guten Selbstführung im Leadership-Alltag ins Spiel: Geduld mit dir selbst.

Warum Fehler dein bestes Führungsseminar sind

Neulich erzählte mir eine junge Teamleiterin von ihrem ersten Feedbackgespräch. Sie wollte „klar und professionell“ sein. Am Ende war sie zu hart. Ihr Mitarbeiter war geknickt, sie selbst unsicher.

Ihr Fazit: „Ich glaube, ich bin nicht gemacht für Führung.“

Ich habe sie gefragt: „Oder bist du gerade dabei, Führung zu lernen?“

Führungskräfte Coaching bedeutet nicht, perfekt zu werden. Es bedeutet, bewusst zu üben.

Die Devise heißt:
Üben.
Falsch machen.
Besser machen.
Richtig machen.

Und dann wieder von vorn.

Genau darin entsteht Führungskompetenz entwickeln – nicht im Hochglanz-Workshop, sondern im ganz normalen Dienstag.

Stressresistenz für junge Führungskräfte – warum Zeit dein Verbündeter ist

Der Druck ist real. Du willst beweisen, dass du die richtige Wahl warst. Du willst stark wirken. Klar. Entscheidend.

Aber Stressresistenz für junge Führungskräfte entsteht nicht durch Härte – sondern durch Erfahrung.

Je öfter du ein schwieriges Gespräch führst, desto ruhiger wirst du.
Je öfter ein Projekt schiefgeht und du es wieder einfängst, desto stabiler wirst du.
Je öfter du Verantwortung übernimmst, desto natürlicher fühlt sie sich an.

Zeit ist kein Zeichen von Schwäche. Zeit ist Trainingsfläche.

Und ja, es wird Momente geben, in denen du dich fehl am Platz fühlst. In denen dein innerer Kritiker flüstert: „Andere können das besser.“

Das stimmt vermutlich sogar.
Sie machen es nur schon länger.

4 konkrete Schritte für deine Selbstführung im Leadership-Alltag

  1. Akzeptiere die Lernkurve
    Du darfst Anfänger sein. Du bist nicht unfähig – du bist neu.

  2. Reflektiere regelmäßig
    Nimm dir einmal pro Woche 20 Minuten. Was lief gut? Was war schwierig? Was würdest du anders machen? Das ist gelebte Selbstführung im Leadership-Alltag.

  3. Hole dir ehrliches Feedback
    Nicht nur von oben, sondern auch von deinem Team. „Was hilft dir? Was irritiert dich?“ Mut zahlt sich aus.

  4. Such dir Sparringspartner
    Führung ist kein Einzelkampf. Ein strukturiertes Führungskräfte Coaching kann dir helfen, Muster schneller zu erkennen und Klarheit zu gewinnen.

Du brauchst die Zeit – auch wenn es sich komisch anfühlt

Vielleicht ist das der wichtigste Satz heute:
Es darf sich komisch anfühlen.

Wachstum fühlt sich selten elegant an. Es fühlt sich holprig an. Ungewohnt. Manchmal peinlich. Aber genau dort entsteht Haltung.

Du wirst nie alles richtig machen.
Aber du kannst lernen, ruhig zu bleiben, wenn’s wieder knallt – und das ist schon verdammt viel.

Wenn du Führung nicht nur lernen, sondern wirklich leben willst, dann gib dir Zeit. Und such dir Unterstützung, wenn du merkst, dass du dich im Nebel verfahren hast.

Egal, wie gut deine theoretische Ausbildung zur Führungskraft ist – so wie bei uns im New Leaders Boostcamp – du bekommst viele Tricks, Hacks und Ideen an die Hand. Werkzeuge, Modelle, Klarheit.

Aber im Alltag einsetzen musst du sie selbst.

So wie damals im Schwimmunterricht. Der Bademeister hat erklärt, wie Kraulen funktioniert. Arme so, Beine so, Atmung nicht vergessen. Klingt logisch am Beckenrand.

Und dann springst du ins Wasser – und plötzlich schluckst du erst mal einen ordentlichen Schwall Realität.

Führung ist genauso.
Erklärt bekommen ist das eine.
Üben im echten Wasser das andere.